Cyclebreaker

 Ich weiß gar nicht so recht, wo ich anfangen soll. Mir fiel Schreiben schon immer leichter, als über Dinge zu sprechen. Vielleicht kommt daher mein Hang, zu schreiben.

Ich komme aus schwierigen Familienverhältnissen und arbeite noch immer daran, nicht die Fehler meiner Eltern zu wiederholen. Das gelingt mir mal besser und mal schlechter. Ich bin mit Gewalt groß geworden und habe mich zu Hause nie sicher fühlen können. Für mich war immer klar, dass ich es auf jeden Fall einmal besser machen möchte. Das ich will, dass mein Kind immer mit allem zu mir kommen kann. Bisher funktioniert das auch ganz gut.

Ich hätte nie gedacht, dass es so schwierig sein könnte, es bewusst anders zu machen. Meine Mutter nennt mich kompliziert. Ich würde mich selbst ausgrenzen. Vielleicht stimmt das sogar ein Stück weit. Ich funktioniere nicht mehr so, wie sie das gerne hätte. Sage nicht mehr ja und Amen zu allem, was sie sagt und tut. Ich widerspreche, wenn sie mal wieder sagt, das habe uns ja auch nur stärker gemacht, aber das stimmt nicht. Gewalt zu durchleben und all die Dinge, die dazu gehören, machen einen nicht stärker. Es klingt nur netter, als zuzugeben, wie viel Schaden es verursacht hat.

Der Kontakt ist über die Jahre deutlich weniger geworden. Am Anfang habe ich mich noch um den Kontakt bemüht, hab mich bei ihr gemeldet, bin hingefahren, aber das tu ich nicht mehr. Wenn sie Kontakt möchte, dann ist es jetzt an ihr. Ich habe ihr das genauso gesagt, aber ich glaube nicht, dass sie es verstanden hat. 

Mit meinen Brüdern und deren Frauen hat sie viel Kontakt. Sie haben das, was ich mir immer gewünscht habe und doch nie bekommen habe. Manchmal tut das noch weh. Ein Teil von mir sehnt sich noch immer nach einer intakten Familie mit Omas und Opas, mit Onkels und Cousins und Cousinen für mein Kind. Es ist ihr gegenüber nicht fair. 

Manchmal fühle ich mich ungewollt und ungeliebt, auch wenn meine Mutter immer sagt, dass sie mich liebt. Immer...klingt, als wäre das regelmäßig, aber gemeint sind die drei Mal im Jahr, die sie sich verpflichtet fühlt, uns zu besuchen, weil Geburtstage sind oder Weihnachten. Ostern war schon nicht mehr so wichtig... 

Ich will jetzt aber auch nicht jammern... mein Leben ist schon okay, so wie es ist. Ich liebe meine kleine Familie. Meinen Mann und mein Kind und die Menschen, die mir sonst noch wichtig sind.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Ungewollt

Hey there Delilah