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Sehnsucht

Die Sehnsucht kommt in Wellen. Mal lauter, mal leise, doch stetig. Trägt Hoffnung mit sich,  Nur, um sie dann wieder mit fortzureißen. Mal glitzern das Wasser im Sonnenschein, Dann bin ich glücklich. Im nächsten Moment zieht ein Sturm heran, Peitscht die Wellen auf, Lässt die graue See tosen. Dann spiegelt sich daran der Aufruhr in meinem Inneren wieder. Und ich warte. Warte, bis der Sturm vergeht.

Hey there Delilah

 Endlich war es so weit. Ich saß im Flieger. Endlich würde sich mein Traum erfüllen. Ich würde ein Jahr in Australien verbringen! Der Flieger hob ab und unter mir wurden die glitzernden Lichter meiner Heimat kleiner und kleiner, bis sie schließlich gänzlich verschwunden waren. Zwölf Zeitzonen, drei Flugzeuge und eine unscharfe Erinnerung an San Francisco später stand ich in der flirrenden Hitze vor dem Terminal in Adelaide, wo bereits meine Gastfamilie mit einem bunten Schild auf mich wartete. Wir hatten schon vorher Emails und Fotos ausgetauscht, so dass ich wusste, wer wer war. Da war meine Gastmutter Gabby, mein Gastvater George und seine Kinder Jenny und Miles. Miles war nur ein Jahr älter als ich und sah aus, wie ein typischer Surferboy. Blonde, schulterlange Haare, gebräunte Haut und strahlend blaue Augen. Ich konnte ihn mir gut am Strand vorstellen. Müde aber glücklich ging ich auf sie zu. „Hi. Ich bin Delilah.“ „Hallo Delilah und herzlich willkommen in Adelaide. D...

Ein neuer Anfang

  Er lief durch die dunkle Allee. Es war eine warme Nacht und doch schauderte es ihn bei dem Anblick, der sich ihm bot. Er war ihr gefolgt. Das tat er schon eine ganze Weile. Heimlich und in aller Stille. Manchmal schien es, als würde sie seine Präsenz erahnen. Dann blickte sie über ihre Schulter, doch sie hatte ihn bislang nie gesehen. Sie lebte allein mit ihrer Mutter in diesem runtergekommenen Haus. Er konnte es kaum ertragen, zu sehen, wie sie leben musste. Im Dreck, zwischen den leeren Flaschen mit dem leeren Kühlschrank. Gestern hatte er Lebensmittel vor die Tür gestellt, damit sie nicht wieder hungrig ins Bett gehen würde. Doch ihre Mutter hatte es allein gegessen und ihre Tochter hungrig ins Bett geschickt. Kalte Wut packte ihn, wenn er daran zurückdachte. Nein, er würde nicht länger dabei zusehen. Er musste etwas tun. Er musste helfen, sie befreien aus diesem Elend. Sie war gerade im Badezimmer und wusch ihr T-Shirt per Hand aus, weil die Waschmaschine kaputt w...

Ungewollt

 Ich weiß nicht mehr, wann ich aufgehört habe, mich um ihre Zuneigung zu bemühen. Wann ich aufgehört habe, mich von mir aus bei ihr zu melden. Und wie jedes Jahr im Sommer frage ich mich, ob mein Geburtstag wohl wichtig genug sein wird, damit sie vorbeikommt oder ob sie es ignorieren wird, so wie Ostern.   Ich weiß nicht mehr, wann wir uns entfremdet haben, wann diese Beziehung zu meiner Mutter in die Brüche ging. Immer wieder frage ich mich, ob es an mir liegt, denn mit meinen Brüdern hat sie regelmäßigen Kontakt…und zu deren Kindern. Es tut mir leid, dass mein Kind nicht die gleiche Beziehung zu meiner Mutter – ihrer Oma – haben kann, wie die Kinder meiner Brüder. Es ist unfair, aber es ist wie es ist. Zumindest ist es das, was ich mir immer wieder sage. Dass ich es versucht habe. Dass ich mich bemüht habe, immer und immer und immer wieder, nur, um dann wieder verletzt zu werden.  Vorletztes Jahr habe ich mich bemüht, habe mich bei ihr gemeld...

Cyclebreaker

 Ich weiß gar nicht so recht, wo ich anfangen soll. Mir fiel Schreiben schon immer leichter, als über Dinge zu sprechen. Vielleicht kommt daher mein Hang, zu schreiben. Ich komme aus schwierigen Familienverhältnissen und arbeite noch immer daran, nicht die Fehler meiner Eltern zu wiederholen. Das gelingt mir mal besser und mal schlechter. Ich bin mit Gewalt groß geworden und habe mich zu Hause nie sicher fühlen können. Für mich war immer klar, dass ich es auf jeden Fall einmal besser machen möchte. Das ich will, dass mein Kind immer mit allem zu mir kommen kann. Bisher funktioniert das auch ganz gut. Ich hätte nie gedacht, dass es so schwierig sein könnte, es bewusst anders zu machen. Meine Mutter nennt mich kompliziert. Ich würde mich selbst ausgrenzen. Vielleicht stimmt das sogar ein Stück weit. Ich funktioniere nicht mehr so, wie sie das gerne hätte. Sage nicht mehr ja und Amen zu allem, was sie sagt und tut. Ich widerspreche, wenn sie mal wieder sagt, das habe uns ja auch nur s...

Willkommen bei Gedankenflimmern 💖

Hier ist Raum für das, was leise beginnt und nachklingt.  Für Sätze, die bleiben - und Geschichten, die aus dem Inneren kommen. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen Kimberly Summers